Geburt Christi und Kreuzigung Christi, um 1570/80      

Jakob (Jacques) de Backer (Antwerpen ca. 1540-1595)
Geburt Christi und Kreuzigung Christi, um 1570/80

Öl auf Eichenholz, 66,4 x 50,3 cm, bzw. 66,4 x 51,2 cm
Inschriften in Gold und teils in Ocker
Plattenrahmen modern

Wie auf einer Bühne spielt die Weihnachtsszene innerhalb einer von Hirten und Engeln bevölkerten Tempelarchitektur. Die Inschrifttafel, die von dem Propheten Jesaja vorne links gehalten wird, zitiert Jesaja 9,5: „Ein Kind ist uns geboren…“. Bei der panegyrischen, in Goldmalerei verfaßten Inschrift am unteren Bildrand dürfte es sich um freie Dichtung handeln. Im Kreuzigungsbild, unter aufreißendem Wolkenhimmel, wo „Gerechtigkeit und Friede sich umarmen“ und „Gnade und Treue einander begegnen“ (Psalm 85,11), erhebt sich das Kreuz in erhöhter Landschaft. Rechts führt ein Putto das Erste Menschenpaar zum Kreuz, links weist Johannes Ev. mit Inschrifttafel auf das Bundeszeichen der Erlösung (Text: Johannes 19,35 - Zitat aus der Passionsgeschichte), assistiert von einem Propheten des Alten Bundes, weiter hinten stehen die Drei Marien, begleitet von einer Sibylle. Der an den Kreuzesfuß geheftete „Schuldschein“ (Paulus, Col. 2,14f.) ist leer. Der Putto, der die Inschrifttafel am unteren Bildrand hält, trägt zum Zeichen des Friedensschlusses Ölbaumzweige in den Händen. Hier rühmt die Inschrift den Triumph über den Tod und die Erlösung von der „unendlichen Bürde aus Schuld und Gesetz“. Der allegorische Aufwand, die souveräne Licht- und Farbmodellierung bei feinster Zeichnung sowie die Kostbarkeit der Inschriften dokumentieren den hohen Repräsentationsstatus der Tafeln. Höchstwahrscheinlich waren sie Teil einer durch Schriftquellen dokumentierten Folge von mindestens fünf allegorischen Szenen aus der Heilsgeschichte, die sich im Besitz des Österreichischen Statthalters der Niederlande, Erzherzog Ernst, der 1593-95 in Brüssel residierte, befunden haben.

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