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Werkstatt Albrecht Dürer, Nürnberg, um 1510/15
(Hans Süß von Kulmbach ?)

Flügelaußenseiten eines Altars mit Darstellung
der Heiligen Johannes Ev. und Erasmus (links)
sowie Laurentius und Thomas (rechts)

Grisaille-Malerei vor dunkelblauem Grund

Mischtechnik auf Lindenholz, je 123 x 37 cm
Lit.: Ausst.-Kat. "Das Rätsel Grünewald" (Haus der Bayerischen Geschichte/Veröffentl. zur Bayer. Geschichte u. Kultur 45/02. Katalog zur Bayer. Landesausstellung 2002/03) Schloß Johannisburg, Aschaffenburg, Augsburg 2002, Kat.-Nr. 101

Äußerst bemerkenswerte Beispiele der in dieser Qualität in Deutschland seltenen Gattung der Grisaille-Malerei. Die höchst malerische Arbeit mit durchscheinender Unterzeichnung stammt von einem Künstler, dessen "Dürerisch-Nürnbergische" Manier ins Auge springt. Bei insgesamt kühler Grautonigkeit und einheitlicher Beleuchtung von rechts wechselt die Gesamttönung gleichsam individuell für jede Figur. Die Heiligen sind "lebendig", nicht steinern aufgefasst, ihre Lippen sind teils rot akzentuiert. Neben der wundervoll feinen Pinselzeichnung und zuweilen brillant-"duftigen" Modellierung gehören ein kräftiges Hell-Dunkel, schwarze Konturen sowie eine Vorliebe für ‚fliegende Bänder' zu den Charakteristika des Malers. Abgesehen von der Kompositionsweise und der räumlichen Anordnung der Figuren, die ganz der Dürerschen Auffassung entsprechen, reflektieren die Tafeln direkt die Grisaillen des Frankfurter Heller-Altars, die ein anderer Geselle 1508/09 in der Dürer-Werkstatt malte: sowohl die Heiligenscheine in Form von steinernen Nimbenscheiben sind dort vorgebildet als auch die Figur des Thomas auf der rechten Tafel rechts außen, der die entsprechende Figur vom Heller-Altar (Petrus) seitenverkehrt variiert. Auch der Figurenmaßstab stimmt mit den Heller-Grisaillen der Dürer-Werkstatt vollkommen überein. Zu welchem Altar die eindrucksvollen Tafeln gehörten, konnte bisher ebenso wenig geklärt werden wie der Name des Malers, dessen jüngst vorgeschlagene Identität mit Hans Süß von Kulmbach sicher weiterer Diskussion bedarf.

 

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