Heggbacher Meister/ Jörg Syrlin d.J.?, Ulm, um 1480

Reliquienbüste einer hl. Jungfrau

Lindenholz aus zwei Teilen (Vorder- und Rückseite),
vollrund, H. 42,5 cm
In geringen Resten erhaltene Originalfassung
Reliquienfach mit Bergkristall modern verglast

Die außergewöhnlich qualitätvolle, bekrönte Halbfigur einer unbekannten heiligen Jungfrau zeigt auf der Brust ein rechteckiges Reliquien-Sepulcrum. Die prachtvolle Rückseite mit offen herabfallendem Lockenhaar ist original brettartig aufgedoppelt und angedübelt. Den unteren Abschluß der Figur bildet ein Wolkenband. Außer der Krone hat sich von den Attributen lediglich das Buch erhalten, auf das die Heilige ihre linke Hand legt. In der Rechten hielt sie einen weiteren Gegenstand, vielleicht eine Palme.
Lebensvolle Eleganz, größte Zartheit und Detailgenauigkeit zeichnen das Bildwerk aus. Nächstverwandt ist die Figur der Muttergottes in Heggbach (Maselheim-Heggbach, kath. Kirche), deren anonymer Meister Teile der Chorgestühlsfiguren des Ulmer Münsters (Dreisitz und Dorsalereliefs) verfertigte und der auch die „Vanitas“-Gruppe des Kunsthistorischen Museums in Wien geschnitzt hat.

 

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